Vitiligo an der Hand / an den Fingern (© anonpichit / Fotolia)

Erscheinungsformen der Vitiligo und Krankheitsverlauf (eBook Auszug)

Die Vitiligo kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich verlaufen. So gibt es nicht nur Unterschiede hinsichtlich des Entwicklungszeitpunkts der Erkrankung, sondern auch in der Ausprägung der weißen Flecken und ihrer Lokalisation. Selbst der individuelle Verlauf der Vitiligo ist nicht vorhersehbar.

Klinisches Bild

Die Vitiligo kann prinzipiell an allen Regionen der Hautoberfläche und auch auf Schleimhäuten auftreten. Die depigmentierten Hautareale sind unterschiedlich in Anzahl, Größe und Form. Typisch sind die milchig-weißen Flecken, die meist scharf begrenzt sind und gelegentlich einen schmalen Saum haben, der hyperpigmentiert sein kann, d.h. er ist stärker pigmentiert als die umgebende normale Haut. 

Die Flecken sind rund bis oval und ihre Verteilung ist meistens symmetrisch. Das bedeutet, wer einen Vitiligofleck auf der Vorderseite des rechten Unterarms entwickelt, wird meist einen identischen Fleck auch auf der Vorderseite des linken Unterarms haben. 

Obwohl sich die weißen Flecken an allen Körperstellen entwickeln können, gibt es sogenannte Prädilektionsstellen, an denen sie besonders häufig auftreten. Dazu gehören Hautregionen, die einer besonderen Zugbelastung ausgesetzt sind wie zum Beispiel am Kopf (hier insbesondere um Augen und Mund herum), am Hals, Nacken und den Achseln sowie druckbelastete Hautstellen wie an den Kniegelenken, Knöcheln, Ellenbogen, Zehen, Fingern, Hand- und Fußrücken, Handinnenflächen und Fußsohlen. 

Bevorzugt treten die weißen Flecken über der Vorderseite der Beine auf (insbesondere Unterschenkel), auf dem Handrücken, um die Brustwarzen herum, am Nabel sowie im Gesäß- und Genitalbereich. Befallen werden also insbesondere Hautareale mit erhöhter Beanspruchung durch Bewegung und Reibung, aber auch solche, die häufiger Sonnenlichtbestrahlung ausgesetzt sind. Depigmentierungen an den Schleimhäuten, insbesondere Lippen und Mundschleimhaut, sind gerade bei dunklen Hauttypen auffällig. 

Die Haare, die sich im Bereich der typischen Flecken befinden, können entweder normal pigmentiert sein oder aber, sie sind ebenfalls weiß, was darauf hindeutet, das die Haarfollikel keine funktionierenden Melanozyten mehr enthalten. Sind die Haare pigmentfrei, wird das als Achromotrichosis bezeichnet, deren Häufigkeit in der Fachliteratur mit 9-45 % aller Fälle von Vitiligo angegeben wird. 

Die Vitiligoherde können unterschiedliche Erscheinungsformen haben: 

  • Trichrome Vitiligo: Der weiße Fleck wird am Übergang zur normal pigmentierten Haut von einer mittelbraunen Zone umgeben, der noch nicht komplett depigmentiert ist. 
  • Quadichrome Vitiligo: Innerhalb der trichromen Vitiligo-Flecken entstehen hyperpigmentierte, d.h. auffallend dunkle Stellen, die meist am Rand der Flecken lokalisiert sind und häufig auftreten, wenn es zu einer Repigmentierung der weißen Flecken kommt. 
  • Konfetti-Vitiligo: Hierbei handelt es sich um kleine weiße Flecken, die nur 1 bis 2 mm im Durchmesser groß sind. Sie können an beliebiger Stelle auftreten oder sind in der unmittelbaren Umgebung größerer Vitiligo-Flecken lokalisiert. 
  • Inflammatorische Vitiligo: Bei dieser Form wird ein weißer Fleck von einem rötlichen, entzündlich erscheinenden Saum umgeben, der meist auch etwas erhaben ist. 

Weitere Klassifikationssysteme berücksichtigen das charakteristische Verteilungsmuster der Vitiligoflecken. Seit langer Zeit gebräuchlich ist folgende Klassifikation: 

  • Vitiligo focalis: Ein isolierter oder nur einige wenige Flecken treten in einer Körperregion auf. 
  • Vitiligo segmentalis: Das Auftreten der Flecken beschränkt sich auf das Gebiet eines Dermatoms, womit das Versorgungsgebiet von Hautnerven bezeichnet wird, die einer Spinalnervenwurzel des Rückenmarks entspringen. 
  • Vitiligo vulgaris: Für den häufigsten Typ der Vitiligo ist das Auftreten der weißen Flecken typisch, die diffus verteilt sind. Sie sind in der Regel symmetrisch verteilt und finden sich überwiegend an den vorgenannten Prädilektionsstellen. Die Vitiligo vulgaris kann nochmals unterteilt werden in die Vitiligo acrofacialis und generalis: 
    • Vitiligo acrofacialis: Bei dieser Form sind Finger und Zehen, die Mundregion sowie Gesäß- und Genitalbereich betroffen. 
    • Vitiligo generalis: Hierbei treten die weißen Flecken diffus verteilt über der ganzen Körperoberfläche auf.

Klassifikation der „Vitiligo European Task Force”

Seit 2007 existiert eine Klassifikation der „Vitiligo European Task Force“, nach der die Erscheinungsform der Vitiligo nur noch in 4 Typen unterteilt wird:

  • nicht-segmentaler (symmetrischer) Typ = „non-segmental vitiligo“, NSV
  • segmentaler (asymmetrischer) Typ = „segmental vitiligo“, SV
  • gemischter Typ = NSV + SV
  • nicht klassifizierbarer Typ

Am häufigsten zeigt sich der Verteilungstyp der NSV (in 85 – 90 % der Fälle), der bevorzugt Gesicht, Hände und Füße befällt (Vitiligo acrofacialis) und dessen Flecken hier entweder diffus verteilt sind (Vitiligo vulgaris) oder der generalisiert über den ganzen Körper verteilt auftreten kann (Vitiligo generalis). Für den NSV-Typ ist ein progredienter Verlauf typisch, d.h. die Flecken werden im Laufe der Zeit größer und nehmen zahlenmäßig zu. Dagegen bleibt…

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