Vitiligo Creme (© Axel Bueckert / Fotolia)

Therapieansätze bei der Vitiligo (eBook Auszug)

Eine Therapie, mit der die Vitiligo dauerhaft geheilt werden kann, existiert bis heute nicht, da die Ursache der chronischen Erkrankung nach wie vor unklar ist. Alle Therapien sind daher als symptomatisch einzuordnen

Grundsätzlich ist das Ausmaß einer therapeutisch erzielten Repigmentierung unabhängig von Alter, Fläche, Erkrankungsdauer und Hautfarbe. Eine vollständige Repigmentierung aller betroffenen Hautareale durch therapeutische Maßnahmen gelingt allerdings äußerst selten, wenn Hände, Handgelenke, Füße, Gesäß- und Genitalbereich betroffen sind. Jedoch kann es durchaus gelingen, bei kleinem, lokalem Befall eine komplette Repigmentierung zu erreichen

Rund 20 % der Patienten berichten von spontanen Repigmentierungen einzelner Vitiligoflecken, einen vollständige Repigmentierung aller Flecken kommt so gut wie nie vor. 

Die Ziele der symptomatischen Behandlung sind:

  • den Krankheitsprozess stoppen,
  • ein kosmetisch einwandfreies Ergebnis erzielen,
  • den psychischen Leidensdruck der Patienten mindern.

Bei der Auswahl der Behandlungsmethoden spielt der individuelle Leidensdruck de Patienten eine wichtige Rolle. Auch wenn es bislang keine zuverlässige Methode gibt, eine dauerhafte Repigmentierung herbeizuführen, lassen sich dennoch mit den heutzutage zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen bei vielen Patienten akzeptable Erfolge erzielen. Die meisten konservativen Behandlungsmethoden haben zum Ziel, die Melanozytenbildung durch Eingriffe in das Immunsystem zu steigern. 

Die besten Ergebnisse zeigen sich in erster Linie im Gesicht, gefolgt von Körperrumpf und Extremitäten. Hände und Füße sprechen meist nicht oder nur unbefriedigend auf die Therapien an. Stört sich der Patient hingegen nicht an den Hautveränderungen, müssen diese nicht unbedingt behandelt werden.

1. Europäische Leitlinie zum Management der Vitiligo – Übersicht

Leitlinien zur Behandlung der Vitiligo existierten lange Zeit nur vereinzelt auf nationaler Ebene wie z. B. in Großbritannien. In 2013 wurde erstmals eine europäische Leitlinie zum Management der Vitiligo publiziert, eine deutsche Leitlinie soll folgen. 

Leitlinien dienen dem Zweck, die Qualität der medizinischen Versorgung von Patienten zu verbessern, indem Expertengremien das umfangreiche Wissen über die Behandlungsmöglichkeiten bestimmter Erkrankungen kritisch überprüfen. Das Ergebnis ist eine systematisch entwickelte und wissenschaftlich begründete praxisorientierte Entscheidungshilfe für die ärztliche Vorgehensweise bei der Patientenbehandlung. 

Im Gegensatz zu Richtlinien sind Leitlinien nicht verbindlich, sodass Ärzte durchaus eine von den Leitlinien abweichende Behandlung durchführen können, wenn sie der Meinung sind, das diese für den Patienten sinnvoller erscheint. Die Leitlinie zum Management der Vitiligo beschäftigt sich nicht ausschließlich mit den sinnvollen Behandlungsmöglichkeiten der Vitiligo, sondern enthält auch eine Checkliste, die bei der Diagnose und Zusammenstellung eines individuellen Behandlungsplans beachtet werden sollte. Erfasst werden sollen: 

1. Patientenmerkmale

  • Hauttyp (sehr hell, hell, mittelhell, bräunlich, dunkel, schwarz)
  • ethnische Herkunft
  • Alter zum Zeitpunkt der Erkrankung
  • Halo-Nävi
  • bestehende Autoimmunerkrankung
  • Lebensqualität/psychosoziale Beeinträchtigung

2. Vitiligomerkmale

  • Dauer der Erkrankung
  • Verlauf der Erkrankung in den letzten 6 Monaten (stabil, fortschreitend, rückläufig)
  • stattgefundene Repigmentierungen
  • Köbner-Phänomen
  • Vitiligo im Genitalbereich
  • Fotodokumentation (Tageslicht und WOOD-Licht)

3. Familienmerkmale

  • vorzeitiges Ergrauen
  • Vitiligo bei Familienangehörigen
  • Autoimmunerkrankungen

4. Bisherige Therapie

  • Art und Dauer bisheriger Vitiligobehandlungen
  • Verlauf der bisherigen Behandlungen (Repigmentierung?)
  • Behandlung weiterer Erkrankungen

Nach Erfassung der diversen Merkmale kann dann in Abstimmung mit dem Patienten ein Behandlungsplan aufgestellt werden. Die Therapieempfehlungen der 1. Europäischen Vitiligo-Leitlinie orientiert sich in erster Linie an der Ausdehnung der Vitiligo und legt die Klassifikation der „Vitiligo European Task Force“ aus 2007 zugrunde, nach der die Erscheinungsform der Vitiligo in 4 Typen unterteilt wird:

  • nicht-segmentaler (symmetrischer) Typ = „non-segmental vitiligo“, NSV
  • segmentaler (asymmetrischer) Typ = „segmental vitiligo“, SV
  • gemischter Typ = NSV + SV
  • nicht klassifizierbarer Typ

Die Leitlinie empfiehlt für die beiden Vitiligo-Formen NSV und SV ein unterschiedliches Vorgehen und bewertet die zur Verfügung stehenden Therapieoptionen (1. Wahl, 2. Wahl etc.): 

1. Segmentale und begrenzte nicht-segmentale Vitiligo

  • Vermeiden von Triggerfaktoren
  • Therapie 1. Wahl: Lokale Behandlung durch Auftragen von Kortikosteroiden oder Calcineurin-Inhibitoren
  • Therapie 2. Wahl: Schmalband-UVB-Bestrahlung (bes. Excimer-Laser)
  • Therapie 3. Wahl bzw. letzte Möglichkeit: chirurgische Eingriffe (Eigenhaut- oder Melanozyten-Transplantation)

2. Nicht-segmentale Vitiligo

  • Vermeiden von Triggerfaktoren
  • Therapie 1. Wahl: Schmalband-UVB-Bestrahlung (bes. Excimer-Laser)
  • Therapie 2. Wahl: systemische Kortikosteroide („Tabletten“), ggf. in Kombination mit Schmalband-UVB; bei Versagen Immunsuppressiva
  • Therapie 3. Wahl/ bzw. letzte Möglichkeit: chirurgische Eingriffe (Eigenhaut- oder Melanozyten-Transplantation), ggf. Depigmentation der restlichen normalen Haut

... Der obige Text ist ein Auszug aus dem eBook: VITILIGO – Die Weißfleckenkrankheit | Was Betroffene und Ärzte wissen müssen, erhältlich bei Amazon. Es lässt sich auch ohne Amazon Kindle mit der Kindle Lese-App z.B. auf Smartphones und Tablet-PCs lesen.