Vitiligo: Weiße Flecken an der Hand (© Axel Bueckert / Fotolia)

Weitere Ansätze zur Therapie / Behandlung der Weißflecken-Krankheit Vitiligo (eBook Auszug)

Kombinationstherapien

Es existiert eine Vielzahl von Therapieempfehlungen hinsichtlich der Kombination einer Phototherapie mit verschiedenen anderen Substanzen wie lokal aufgetragenen Kortikosteroiden, Calcineurin-Inhibitoren und Vitamin D3, zu denen die europäische Leitlinie wie folgt Stellung bezieht:

1. Lokale Kortikosteroide und Phototherapie

Durch die Kombination bei der Behandlung neuer Vitiligoherde bzw. einer aktiven, sich ausbreitenden Vitiligo könnte die Gesamtstrahlendosis einer UV-Behandlung reduziert werden. Auch die Behandlung von Vitiligoherden, die aufgrund ihrer Lokalisation in der Regel schwer zu repigmentieren sind, könnte die Steroidkombination mit Schmalband-UVB oder Excimer-Laser zu besseren Ergebnissen führen. Dazu sollten Steroide 1-mal täglich über 3 Wochen innerhalb eines Monats aufgetragen werden (steroidfreie Tage werden empfohlen) und die Strahlenbehandlung wie vorgenannt durchgeführt werden. Die Steroidbehandlung sollte jedoch nicht länger als 3 Monate durchgeführt werden, danach läuft die Bestrahlung normal weiter. Die Leitlinie weist darauf hin, dass die Kombinationsbehandlung zwar vielversprechend sei, zu ihrer Effektivität und Sicherheit jedoch kaum Studien vorliegen.

2. Calcineurin-Inhibitoren und Phototherapie

Die Leitlinie verweist auf Studien, nach denen die Kombinationsbehandlung recht effektiv und für Vitiligopatienten vielversprechend sein soll. Allerdings weist sie darauf hin, dass momentan sowohl Langzeitergebnisse als auch Studien zur evtl. Zunahme von Hautkrebs unter der Kombinationsbehandlung derzeit noch fehlen.

3. Vitamin D3 und Phototherapie

Die Leitlinie empfiehlt diese Kombinationstherapie ausdrücklich nicht, da so gut wie keine Studien darüber existieren.

Niedrig dosierte orale Kortisonbehandlung

Lokal aufgetragene Kortikosteroidpräparate gehören zum Standardrepertoire der Vitiligotherapie. Die orale Steroidtherapie war ursprünglich ebenfalls eine gängige Behandlungsoption, häufig auch Mittel der 1. Wahl zur Behandlung der Vitiligo. Aufgrund der gravierenden Nebenwirkungen und auch einer relativ geringen Repigmentierungsrate wird sie heutzutage nicht mehr standardmäßig durchgeführt.

Die Leitlinie bewertet eine orale Steroidbehandlung als nicht geeignet, eine Repigmentierung herbeizuführen. Allerdings soll eine niedrig dosierte Behandlung mit Dexamethason (2,5 mg pro Tag) bei einer aktiven, sich rasch ausbreitenden Vitiligo hilfreich sein und sollte über 3 – 6 Monate durchgeführt werden. Die Kombination mit einer Phototherapie wird nicht empfohlen, da ihre Wirksamkeit nicht bewiesen ist.

Immunsuppressiva

Neben Kortikosteroiden existiert eine Reihe weiterer Medikamente, die in das Immunsystem eingreifen und somit auch gegen die Vitiligo eingesetzt werden könnten. Dazu gehören Cyclophosphamide, Cyclosporin und Anti-TNF-Alpha (Etanercept, Infliximab). Die Leitlinie rät derzeit von einem routinemäßigen Einsatz der Präparate ab und verweist auf die spärliche Studienlage. Die Präparate können erhebliche Nebenwirkungen haben wie z.B. Haarausfall, Blutbildänderungen, Bluthochdruck und Nierenfunktionsstörungen. Zudem kann nicht sicher ausgeschlossen werden, dass Stoffwechselprodukte der Immunsuppressiva selbst eine Vitiligo auslösen können.

Antioxidantien

Die Entwicklung einer Vitiligo soll auf einen erhöhten oxidativen Stress der Haut zurückzuführen sein, sodass Antioxidantien bereits vor Jahren zur Behandlung der Vitiligo herangezogen worden sind. Zu den Substanzen gehören u.a. Pseudokatalase,Vitamin E, Vitamin C, Ubiquinon und Ginkgo biloba, die entweder separat oder in der Kombination mit einer UV-Bestrahlung angewendet werden.

Eine vielversprechende Option soll die lokale Behandlung mit Pseudokatalase sein. Sie wird als Creme auf die betroffenen Hautareale aufgetragen, die unmittelbar im Anschluss daran einer Schmalband-UVB-Bestrahlung mit relativ geringer Dosierung unterzogen wird. Laut einer kleinen Studie konnte mit dieser Behandlungsmethode bei 95 % der Studienteilnehmer das Fortschreiten der Vitiligo gestoppt werden und bei über 90 % der Teilnehmer kam es zu einer vollständigen Repigmentierung der Gesichtshaut. An anderen Körperstellen lag die Repigmentierungsrate zwischen 80 und 90 %, wohingegen die Behandlung an Händen, Handgelenken, Füßen, Gesäß- und Genitalbereich bei der Mehrzahl der Patienten ein eher enttäuschendes Ergebnis zeigte. Die Leitlinie bestätigt zwar, dass eine antioxidative Behandlung während einer UV-Behandlung sinnvoll sein kann. Ganz akademisch weist sie jedoch auf die dürftige Studienlage hin und fordert vor einer offiziellen Empfehlung zur Vitiligo-Behandlung mit Antioxidantien entsprechende Untersuchungen an größeren Fallzahlen.

Chirurgische Maßnahmen

Operative Maßnahmen zielen darauf ab, Vitiligoherde mit funktionierenden Melanozyten zu versehen, damit sie wieder die normale Hautfarbe annehmen. Hierzu existieren verschiedene Techniken, bei denen dem Patienten von einer gesunden Hautstelle Gewebe zur Verpflanzung entnommen wird. Die Eingriffe sind nach Einschätzung der europäischen Leitlinie nur sinnvoll bei einer stabilen, nicht fortschreitenden Vitiligo, die segmental begrenzt ist bzw. keine allzu großen Hautareale betrifft.

Die Transplantation winziger gesunder Hautstückchen kann durch den Einsatz kleiner Saugglocken („Suction blister“) erfolgen, mit deren Hilfe sich oberflächliche Hautschichten abtragen und an den Vitiligoherd verpflanzen lassen. Auch mit kleinen Stanzen lassen sich gesunde Hautstückchen entnehmen und auf die Vitiligoflecken übertragen („Punch oder Mini Grafting“).

Damit die entnommenen Hautstückchen in die Vitiligoherde einwachsen können, muss auch hier die Abtragung oberflächlicher Hautschichten erfolgen. Vielversprechend ist auch die Transplantation körpereigener Melanozyten. Dazu werden dem Patienten einige wenige gesunde Hautstückchen entnommen und die darin enthaltenden Melanozyten im Labor zu größeren Mengen herangezüchtet. Diese sogenannte Kultivierungszeit kann mehre Wochen andauern, bevor die herangezüchteten Melanozyten im Zellverband als dünnes Häutchen auf die Vitiligoherde übertragen und hier z. B. mit Fibrinkleber fixiert werden. Das Verfahren hat den Vorteil, dass damit auch große Hautflächen behandelt werden können. Und überschüssige Zellen können eingefroren werden, sodass sie zur späteren Verwendung an neu entstandenen Vitiligoherden zur Verfügung stehen.

Die chirurgischen Maßnahmen muten recht simpel an, unterscheiden sich jedoch erheblich im zeitlichen und finanziellen Aufwand.

  • Mini-Hauttransplantationen sind die einfachste und kostengünstigste Methode mit der kürzesten Eingriffszeit (ca. 45 Minuten für 50 cm²), sind für die Behandlung großer Hautareale jedoch weniger gut geeignet.
  • Hauttransplantationen mit Bildung von Saugblasen sind zeitlich sehr aufwendig und benötigen inkl. der Transplantation bis zu 4 Stunden. Auch diese Methode ist für die Behandlung großer Vitiligoflächen nicht geeignet.
  • Die Transplantation herangezüchteter Melanozyten eignet sich für die Behandlung großer Hautflächen (bis zu 500cm²), benötigt jedoch spezielle Laboratorien mit entsprechend erfahrenen Mitarbeitern und ist abgesehen von der langen Kultivierungszeit somit äußerst kostenintensiv.

An den Entnahmestellen der gesunden Haut können wulstige Narben entstehen, vorübergehende und auch dauerhafte Depigmentierungen oder auch Hyperpigmentierungen kommen vor. Die in die Vitiligoherde verpflanzten Hautstückchen können gelegentlich auch eine wesentlich dunklere Farbe annehmen als die umgebende gesunde Haut. Das Auftreten dieser Nebenwirkungen lässt sich jedoch durch die Auswahl einer geeigneten Entnahmetechnik, die der anatomischen Lokalisation der Entnahmestellen angepasst ist, minimieren. Insofern hängt ein kosmetisch gutes Ergebnis nach Haut – oder Melanozytentransplantation in erster Linie von der Erfahrung des Behandlungsteams ab.

... Der obige Text ist ein Auszug aus dem eBook: VITILIGO – Die Weißfleckenkrankheit | Was Betroffene und Ärzte wissen müssen, erhältlich bei Amazon. Es lässt sich auch ohne Amazon Kindle mit der Kindle Lese-App z.B. auf Smartphones und Tablet-PCs lesen.